Header

#1

so gesehen

in Tischtennis allgemein/News 12.02.2007 23:49
von Fritz the Cat • Unfertig | 30 Beiträge

Tischtennis - Sport für Helden?
Im Netz von Dr. Pong

Plötzlich erscheint "Tischtennis" als Spiel für die Xbox, und Berliner Szenebars laden zum Rundlauf. Ist Tischtennis am Ende doch ein Sport für Helden? Von einem, der es glauben wollte ­zumindest für eine Nacht.

Es könnte gut sein, dass Dr. Pong die Weltherrschaft anstrebt. Die perfekte Waffe, um die Menschen zu willenlosen Untertanen zu machen, besitzt er jedenfalls: eine Tischtennisplatte.

Dr. Pong ist eigentlich ein netter Kerl. Er hat ein altes Ladenlokal am Prenzlauer Berg in Berlin gemietet und nicht all zu viel Mühe auf die Renovierung verwandt. Theke rein, Kühlschrank rein, Bier in den Kühlschrank, und den Kumpel mit der besten Sammlung auf dem Laptop als DJ engagiert. Damit die Leute aber auch in businessplan-freundlichen Mengen hanseatisches Bier konsumieren kommen, hatte Dr. Pong die Idee mit der Tischtennisplatte.

Zur Erinnerung: Tischtennis ­ das war jener Sport, den strafunmündige Menschen mit Tennisbällen und Deutschbüchern auf Schulhöfen praktizieren. Tischtennis war auch der Sport, den jeder, sobald er auch nur rudimentäres Interesse an irgendeinem Geschlecht entwickelte, sofort aufgab, und den dann nur noch die ausübten, die im Mathe-LK nur Drittbeste waren. Und ja, Tischtennis ist der Sport, dessen Protagonisten sich so gut als Helden vermarkten lassen wie Bratkartoffeln als Designer-Food.

Mit der ersten Partie Rundlauf, die Dr. Pong veranstaltet, wird alles anders. Plötzlich ziehen Bars in der Nachbarschaft nach und werben mit Tischtennis-Turnieren, die Firma "Rockstar Games" produziert das erste Ping-Pong-Computerspiel seit Atari 1972. Damals gab es zwei Balken als Schläger und eine gestrichelte Linie als Netz. Heute gibt es extremes Tempo, zirka eine halbe Milliarde Schlagvarianten und Typen, die lässig nicht nur schnell buchstabieren können. Ist Tischtennis etwa doch ein Sport für Helden?

Nur Dr. Pong kann die Antwort bringen. Ein paar Blicke, ein paar Biere, das kann doch alles nicht ungefährlich sein, schließlich liegt der letzte Tag im Tischtennisverein 15 Jahre zurück. Der Beobachter wirkt emotional gefestigt und immun gegen billigen Ruhm in Form von Punkten und Sternen.

So sitzt er ganz entspannt da, sieht 25, vielleicht 30 Leute um die Platte trotten. Nur wenige halten Schläger, die nicht aussehen, als hätten sie eine Karriere als Frühstücksbrett hinter sich. Nur wenige stehen also überhaupt im Verdacht, etwas zu können. Und auch die schmettern nicht bei hohen Bällen, sondern spielen im hohen Bogen zurück, damit die Mädchen auch weiter mitmachen können. Was für Laschzocker. Gegen solche Opfer muss man ja zum Glück gar nicht erst antreten.

Außer natürlich, wenn mitgereiste Freunde mit einem um so viel Döner wetten, wie man essen kann, dass man es in drei Runden nicht einmal ins Finale packt. Na schön, Pong, dann mal her mit einem von deinen Holzbrettern. Das Problem mit Überlegenheit ist ja, dass man sie nicht zu deutlich zeigen darf. Also Bierflasche in die Hand beim Spielen, rundschlendern statt rundlaufen und auch als Nichtraucher Kippe in den Mundwinkel.

Um es mit Manfred Wolke zu sagen: es läuft. Die Betrunkenen fliegen als erstes, dann die Mädchen, dann sind nur noch die übrig, die wissen, was Topspin ist. Noch sieben Gegner. Die Kippe ist vielleicht doch ein bisschen übertrieben. Noch sechs. Das Bier hält mal besser der mitgereiste Kumpel. Fünf. Verdammt, dieses ewige Nicht-Geschmetter hat jetzt mal ein Ende. Ja, guckt ihr nur, als wäre das ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Vier. Ein bisschen Rennen schadet dem Image jetzt auch nicht mehr, drei, den Ball jetzt schön gegen die Laufrichtung schnibbeln, zwei, der erreicht er nie im Leben, doch, aber den nicht mehr, der bleibt doch nicht etwa...

Gegen Netzkante und Dönerschulden hilft nur die Flucht in den Sanitärbereich. An die Wand über dem Pinkelbecken hat einer eine beruhigende Wahrheit geschmiert: "Unfairspieler kommen in die Hölle." Darunter steht: "Seit zwei Tagen ist der Computer kaputt. Ich denke wieder öfter an Selbstmord."

Url: http://www.rp-online.de/public/article/a...erzrasen/405447

nach oben springen

#2

RE: so gesehen

in Tischtennis allgemein/News 13.02.2007 01:36
von Red • TT-Gott | 845 Beiträge

Bin einfach nur begeistert von diesem Beitrag !!!!Denn, so sehr wir das auch alle nicht wollen; das ist dann wohl die Wahrheit.....


Andi-Inferno-Fan-Fan
nach oben springen

#3

RE: Dr. Pong

in Tischtennis allgemein/News 13.02.2007 09:26
von Andreas • TT-Gott | 975 Beiträge

Genial ! Nur die Assoziation Berliner Szenebar/Hanseatisches Bier passt nicht ganz... Ist auf "rp-online" öfter sowas zu finden? Da capo !

nach oben springen

Es gelten hier im Forum die gleichen Regeln wie im Real-Life. Einträge mit rechtsradikalen, pornografischen, beleidigenden oder satanistischen Inhalten werden vom Mod-Team schnellstmöglich wieder gelöscht. Bei Fragen oder technischen Problemen meldet euch unter webmaster@tt-mtvbrackel.de

Besucher
0 Mitglieder und 1 Gast sind Online:

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Anti
Forum Statistiken
Das Forum hat 701 Themen und 19853 Beiträge.

Besucherrekord: 131 Benutzer (31.01.2011 09:24).

Besucher seit 28. März 2009:




Xobor Ein Kostenloses Forum von Xobor.de
Einfach ein Forum erstellen