Für mich war die Leistung Nadals mit das Unfassbarste, was ich jemals im Sport gesehen habe. Zumindest aus der psychol. Sicht betrachtet.
Gewinnt den 1. Satz und liegt 0:3 im 2. hinten. Gegen FEDERER. Thema im 2. eigentlich absolut durch. Und schafft dann 2 Breaks in einem Satz. Gegen einen Mann, der zuvor im gesamten Turnier 3 x (incl. des ersten Satzes) seinen Aufschlag abgegeben hat. Und gegen einen Mann, der, wenn er mal führt, eigentlich kaum zu bezwingen ist. Und 6 Jahre auf Rasen kein Spiel verloren hat. 6 Jahre lang!!!!
Im 4. Satz 2 Matchbälle. Hauchdünn also entfernt von einem historischen Moment. Einen Matchball bei eigenem Aufschlag, den Federer unglaublich abwehrt. Und nach all' diesen Nackenschlägen, steht es dann 0:1, 1:2, 2:3 usw. im 5. Satz. Nachdem Nadal eigentlich also zumindest gedanklich schon schnuppern durfte, steht er bei jedem eigenen Aufschlagspiel wieder mit dem Rücken zur Wand. Und bei Aufschlag Federer 2 x 15:40. Und immer wieder befreit sich Federer mit unglaublichem Tennis und ist teilweise selbst nur 2 Bälle vom Sieg entfernt. Hätte Nadal irgendwann einfach aufgegeben, da man offensichtlich gegen diesen Mann auf Rasen, egal wie es läuft, einfach nicht gewinnen kann, hätte ich es fast verstanden.
Das Ende kennt man. Wie ich eingangs sagte, unfassbares Auf und Ab gerade in emotionaler Hinsicht. Da ist es manchmal einfacher, hinten zu liegen und aufholen zu dürfen und dann eigentlich den K.O.-Schlag setzen zu können. Denn eigentlich ist der Gegner aufgrund der vergebenen Chancen am Boden. Eigentlich. Aber eben nicht dieser Nadal.
Rückblickend steigt meine Achtung auch vor Federer enorm. Aber wie sagte er anschl. so in etwa: "Es gibt nichts Härteres, als gegen Nadal spielen zu müssen." Bin mir sicher, dass es sich ausschließlich auf dessen mentale Stärke bezog. Denn DIE in das Herausragendste, was ich im Sport miterleben durfte!
Und ich pöbel rum, wenn der Gegner mal bei 8:8 einen Netzball hat. Geradezu lächerlich. Denn das Ganze hat nichts mit dem eigenen sportlichen Niveau zu tun. Nur mit dem eigenen Umgang von unterschiedlichen Situationen. Man möge mich dran erinnern, wenn ich wieder pöbel....